Mutterhausen und das Beckenbrünnlein


Rätsel um Mutterhausen und das Beckenbrünnlein- alte Karten bringen Licht in das Dunkel der Geschichte und der Sagenwelt.
Homburg. Jeder Homburger hat sie schon gehört, bei der Sagenwanderung des HCV werden sie erzählt, die Sagen vom Untergang Mutterhausens und wie das Beckenbrünnlein vom Erdboden verschluckt wurde. In beiden Sagen, - in verschiedenen Versionen in diversen Sagenbüchern und deer Homburger Chronik nachzulesen -, passiert kurz gesagt Ähnliches: Der Besitzer ist geizig und hartherzig, weist Bettler oder hungrige Kinder ab, oder aber er versündigt sich schwer gegen religiöse Normen ( Wäschewaschen am Sonntag, während die Kommunionglocken läuten), zur Strafe versinkt das Dorf bzw Anwesen in der Tiefe...

Schon immer beschäftigt die staunenden Leser die Frage nach dem historischen Gehalt, doch die Quellenlage war bislang mehr als dürftig.
Flurnamen in den Nachbargemeinden dokumentieren bis heute die ungefähre Lage Mutterhausens : "Mutterhaus-Wald" (Homburg), "Mudershausen" (Dertingen) sowie ein (früherer) "Pfarrweinberg in der Mutterhausen"(Bettingen). Ein berühmter "Dreimärker" markiert bis heute die Flur, wo die drei Gemarkungen aneinander stossen, friedlich begegnen sich dort heute Wanderer, Winzer und Landwirte, Jäger und Sammler entlang der alten Heeresstrasse, die gleichzeitig Landesgrenze(BY/BW), Landkreisgrenze(MSP/TBB), Gemeindegrenze (Trief/Wertheim), Bistumsgrenze usw. ist.

Das war nicht immer so: Bekanntlich führen Grenzstreitigkeiten zu Kriegen zwischen Stämmen, Völkern,Staaten, Nachbarn streiten sich mitunter bis aufs Blut und bis heute vielfach vor Gericht.
Auch zwischen Homburg und Bettingen war die Grenze lange Zeit strittig. 1594 vermerkt das Amts-Salbuch 66 (Julius-Echter-Zeit), dass die Homburger Markung nach Bettingen zu "noch unverstaintt" ist. Wann sie versteint wurde ist nicht bekannt, jedoch belegen jetzt zugängliche Karten aus den Staatsarchiven Würzburg und Wertheim, dass es spätestens im 17.Jahrhundert viele Grenzsteine gab  und dass über ihre Bedeutung höchst unterschiedliche Ansichten vor allem zwischen  Homburg und Bettingen herrschten. Eine große farbige Karte, zu datieren um 1700, im StAW "Risse und Pläne I/476" aufbewahrt , stellt die Besitzverhältnisse aus Homburger Sicht dar, beschreibt ausführlich die gesamte Flur zwischen den beiden Orten ihre Nutzung und die Besitzverhältnisse, dokumentiert dies durch zahlreiche markante Grenzsteine und Erläuterungen  zu diesen. Dabei werden auch  zwei verschwundene Steine beschrieben, der eine am Mainufer (wo heute der Radweg die Landesgrenze überschreitet), er sei "durch daß grosse Gewässer vom Mainfluß hier vor alten Zeiten verlöst und verlohren gegangen", der andere sei "ab anno 1631 aber mit dem schwedischen Kriegsdistorbio ... von einem Bettinger Franz Moritz genant ober der Erden umb-und abgeschlagen, der Thäter anrüber ergriffen, nacher Homburg in Haffte und Gefangenschafft gebracht, durch das Kriegswesen aber von feindlicher Occupirung allhier der Gefangenschafft endtkommen". Der Ort, wo der Stein an der Strasse (heutige Landkreisgrenz-Schilder) gestanden, sei von den Homburgern  "wie anher, so beständig hero uff die behörige Gerechtigkeit zu selbem observiret worden", was soviel heißt, die Homburger haben die Stelle als ihre amtliche Grenze stets betrachtet.

In einer Karte im Staatsarchiv Wertheim (R-K Nr. 5934), die wahrscheinlich der gleiche "Kartograph" für die Gegenseite anfertigte, heißt es dagegen an dieser Stelle:"Worin ein WackerStein (gemalt als Steinhaufen) welchen die Homburger vür einen rechtmäßigen Stein behaupten wollen" . Mit den insgesamt 4 bisher im Staatsarchiv gefundenen Plänen lässt sich der Vorgang auch genau auf die Jahre 1680, 1689 und 1733 und 1738 datieren.
Sensationell ist , dass auf diesen Plänen erstmals das "Beckenbrünnlein" nicht nur erwähnt , sondern als Gebäude im Hang bildlich dargestellt wird. Dieses Beckenbrünnlein ist heute noch als schwache Quelle im Hang unterhalb des Hallenkopfes, genau gegenüber der letzten Trennfelder Gebäude im Wertheimer Weg zu finden . In unseren Grenzstreitigkeiten markiert es den damaligen Anspruch der Bettinger an der Homburger Flur. Vom Dreimärker ist auf allen Plänen eine gerade Linie zum Beckenbrünnlein gezogen, eine andere zum vorgenannten " Wackerstein" , das Dreieck zwischen diesen Steinen  wurde sowohl von Bettingen (Grafschaft Wertheim) wie auch von Homburg (Fürstbistum Würzburg) beansprucht.
Durchgesetzt haben sich (weitestgehend) die Homburger:
Am 19.7.1733 wird ein "Grundriss über die zwischen Homburg und Böttingen (=Bettingen LH) schon viele Jahre obgeschwebte Marckungsstrittigkeit verfertigt", er wird von den Vertretern beider Ämter unterzeichnet und bildet die Grundlage für einen Vergleich ("Receß") den die Kontrahenten am 14.7. 1738 schlossen.

Auch Mutterhausen rückt mit diesem "Grundriss" ein bisschen näher ins Licht der Geschichte:
Unterhalb des Dreimärkers und eines "Zweimärkers" (Homburg/Bettingen) sind "Rudera" (=Steinreste/Trümmer",LH) von Voiths Mutterhauser Hof" eingezeichnet, samt einer Quelle unmittelbar daneben, von der heute nur noch ein sanfter Graben im Wald zu finden ist.
Mit der Einigung von 1738 war die ehemalige Mutterhauser Flur endgültig zwischen den Nachbargemeinden aufgeteilt, uns Nachgeborenen bieten die Karten dafür eine Fülle topographischer Neuigkeiten, die aufzuzählen hier den Rahmen sprengen würde.

Zwischen Homburg und Bettingen konnte Frieden einkehren , Äcker,Wälder und Wiesen werden seither bunt gewürfelt nebeneinander bewirtschaftet, wobei dennoch bis heute der hohe Bettinger Besitzanteil im betroffenen Homburger Markungsteil auffällt.

LH

Inzwischen nimmt das archiologische Projekt Formen an, wie aus nachfolgender Projektskizze zu ersehen ist.

Sobald es die Corona-Situation zulässt, wird in einer öffentlichen Versammlung

das weitere Vorgehen der Öffentlichkeit sowie den Grundbesitzern vorgestellt.

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